Stadtgeflüster

28 09 2010

Es ist wirklich unglaublich interessant die Meinungen der verschiedenen Menschen mitzubekommen, die man trifft.
Ich werde hier immer freundlich vorgestellt und begrüßt. Meist fragen mich die Leute, was ich hier machen will, nun wenn ich ihnen erzähle, dass ich ins Indian Reservation gehe, kommen meist sehr interessante Meinungen hervor. Es gibt Leute, wie in Deutschland auch, die sind sehr interessiert, andere sind nur kurz interessiert und man merkt schon, wie ihre Gedanken abschweifen. Hier gibt es aber Leute, die sich wirklich Sorgen machen um mich, wenn sie hören, dass ich ins Indian Reservation gehen will. Manche versuchen es mir sogar auszureden.
Oft wird mir das selbe erzählt, von wegen hoher Gewalttätigkeit, Alkoholkonsum und ungewöhnlichen Verhalten.
Ich weiß das auch und ich mach mir schon gewisse Gedanken darüber. Dennoch erfassen kann ich es erst, wenn ich es erlebe, was ich nicht hoffe. Damit ich weiß, ob ich damit klar komme oder nicht. Denn wer kann sich Leid schon vorstellender gar richtig bewusst machen?
Was ich auch noch gehört habe, dass die Indianer wahrscheinlich KEIN Internet, Television und Telefone haben! Ich fand es sehr amüsierend, denn kaum ein Mensch kann in diesem Zeitalter ohne diverse Hightech-Mittel leben. So abgeschieden kann man nur noch in den Regenwäldern oder in der Wüste sein und nicht in Nordamerika.
Das hört sich jetzt wirklich “westlich” an, aber mal ehrlich, wo gibt es noch so richtig unberührte Gegenden, die in Ruhe wachsen können , ohne das je ein Mensch sie auf irgendeine Weise zerstört!?
Eigentlich erschreckend, wenn man das so bedenkt….
Aber weg von meinen “Umweltschützer”-Gedanken und zurück, was die Canadian, über die Ureinwohner denken. (Ich muss noch mal betonen, was ich hier erwähne ist keinen Falls abschätzend gemeint! Ich schreibe nur, was mir Menschen erzählen, um es zu kommentieren, wie ich es jetzt empfinde und, wie die Wirklichkeit schlussendlich ist.)
Viele sind der Auffassung, dass die Indianer viele Vorteile haben, dadurch dass sie vom Staat die Unterstützung erhalten. Und sind ihnen nicht freundlich zugestimmt.
Auch hier in der Gegend gibt es ein Indian Reservation, es müsste “Six Nations” heißen. Dort wollen die Indianer alleine wohnen und keine “Eindringlinge” haben. (Ich hoffe, dass es in meinem Reservat nicht so der Fall ist. Man hat mir auch schon gesagt, dass sie dort sehr freundlich zu Fremden sind. Also will ich mal hoffen.) Sie sind in “Six Nations” sehr gewalttätig und haben Häuser nieder gebrannt, die auf ihren Ländern gebaut werden sollten. Man, die Regierung oder der Bauherr hatte sie anscheinend gefragt gehabt, ob sie die Häuser bzw. Gebäude dort hin bauen dürften. Als erstes wurde ihnen zu gestimmt, aber dann als der Bau anfing waren die Indianer nicht mehr begeistert. Natürlich ist steht die Frage jetzt aus, wer hat Recht und wer nicht. Wie wurden die Indianer gefragt? Wurde ihnen es auch richtig erklärt oder wurden sie doch nur überrannt mit dem Plan und wussten von nichts?
So würde ich es  gerne sehen, aber natürlich kann nicht jeder Indianer ein “Heiliger” sein. Selbst eine Indianerin, die einen Bruder dort leben hat, hat gesagt, dass sie dort niemand rein bekommt. Das mag schon was heißen. So kann es auch möglich sein, dass die Indianer nur “Stunk” machen wollen, da sie bis heute noch gekränkt sind, auf tote Erde umgesiedelt worden zu sein und ihre Tradition nicht weiter führen konnten.
Es tut mir leid, wenn ich zu parteiisch bin, macht euch lieber selbst noch Gedanken dazu. (Ich bin über jeden Kommentar glücklich, aber bedenkt Freundlichkeit ist eine Tugend 😉 )
Fazit ist aber, dass oben im hohen Norden J Internet vorhanden ist, ich vermute Fernsehen gibt es auch und Telefone gibt es ! Ich weiß nur nicht, ob ich regelmäßig ans Internet komme. Hoffen wir es, damit ihr nicht so lange auf meine neuen Berichte über “Indian Country” warten müsst.
Ich hoffe, meine Posts sind interessant genug, dass ihr auch weiter interessiert lest und mir eure Meinungen oder nur Grüße mitteilt J
Bis dahin.. Macht’s gut!





Auch der Adler fällt einmal vom Himmel.

20 09 2010

Deutsche Pünktlichkeit verträgt sich einfach nicht mit anderen Kulturen, denen die Zeit nicht durch die Adern pocht.
Ich musste schon einen schweren Stoß ertragen,  als ich gehört habe, dass ich noch nicht ins Indian Reservation kann. Es hört such jetzt schlimmer an, als es ist, aber es hatte mich trotzdem  ziemlich runter gesogen!!
Aber erst einmal von vorne.
Ich wollte eigentlich von Toronto aus am 26. September meinen Weiterflug buchen ins Reservat, um genügend Zeit zu haben, bevor der schwere und kalte Winter in das Land der Algonkin Indianer eintrifft.
Nun daraus wird leider nichts!
Ich muss meinen Flug weiter hinaus schieben, um eine Woche! Ich werde also erst am 3. Oktober weiter fliegen. Das wusste ich aber auch erst später, denn das Problem war, dass meine Gastfamilie keinen Platz für mich hat. Und alles in allem war die Firma schuld, die meiner  “Gastfamilie” ihre Sachen für das Haus nicht gebracht haben. Denn, was notwendig zu wissen ist, dass meine Gastfamilie zwei Häuser haben. Eines, sehr kleines in dem sie leben und ein weiteres, in welchem sie ein Café einrichten wollen. In dem zweiten Haus sollte auch ein Zimmer für mich eingerichtet werden, da in dem ersteren und kleineren kein Platz für mich ist. (Das klingt sehr hart, aber es ist räumlich nicht anders möglich.)
Sie hatten also mir geschrieben, dass ich noch nicht kommen kann. Ich war geschockt, um es ehrlich zu sagen. Denn wo sollte ich bleiben? Ich hatte hier in Saint Catharines bei meinen Verwandten  angefragt, ob ich für eine Woche da bleiben kann, denn sie wollten selbst bald in den Urlaub fahren.
Also wohin, was nun? Und wann kann ich dann überhaupt dort hin?
Ich hatte Angst, dass alles platzen würde und sie mir sagen: “Jetzt geht es leider doch nicht,” schuldbewusstes Lächeln, ein Stirn kratzen “Sorry, das wussten wir selbst nicht!”
So kam es mir auch  vor, während ich mit ihnen geschrieben hatte.
Und wie wir Deutschen so sind, ein Problem, eine Lösung. Also, als erstes brauchte ich natürlich eine Bleibe, wo ich eine Woche länger bleiben konnte. Zu meiner Freude  sagten meine Verwandten mir zu, dass ich noch länger bei ihnen bleiben darf. Sie sind wirklich tolle Menschen!
Ein Problem war also geregelt, doch wann dann? Wollen sie überhaupt, dass ich noch komme? Ich kam mir vor wie an einem vollem Bahnhof, wo ich auf meinen Zug warten musste, der auf Gleis 8 1/3 abfährt. Ein Gleis , dass es gar nicht gibt! Oder so wie der Mann in der Parabel von Kafka, der ewig bis zu seinem Tode wartet ins Gebäude rein zu kommen. (Natürlich ist das etwas übertrieben, aber so könnt ihr, lieber Leser meine Emotionen nach empfinden.)
Nach langen hin und her. Sagte mir meine Gastfamilie zu, jemand anderen im Reservat zu fragen, ob ich vielleicht solange das Haus noch nicht fertig ist, dort unter zu kommen.
Ich war ehrlich nicht sehr begeistert, denn zu jemand wildfremden will man ja auch nicht einfach gehen und vor allem, wenn man über die Gewalttätigkeit in den Reservaten hört. Vor allem, wem kann man trauen und wem nicht? Außerdem hatte es einen bitteren Nachgeschmack von Abschieben. Ein Klotz am Bein, dass man los haben will. (Ich höre schon, die Menschen, die mich gut kennen, rufen: “Du machst dir viel zu viele Gedanken, wo keine sind”.. stimmt’s?)
Nun, aber auch in diesem Fall kann ich viele Menschen beruhigen. Ich werde zu einer befreundeten Lehrerin ziehen. (ich höre schon, das auf stöhnen: “eine Lehrerin?” Aber vielleicht ist sie nett, also malen wir nicht den Teufel an die Wand ;))
Ich hoffe nur, dass alles gut klappen wird.
Nun habt ihr von meinem Absturz aus den Lüften gehört, doch ich gewinne wieder an Höhe und werde mich nicht so schnell von meinem Kurs abtreiben lassen.
Also Fazit : Der Adler (J) fliegt zielstrebig nach Norden.

Ps.: vielen Dank an die jenigen für die Unterstützung in dieser harten Zeit.





I’m gonna be a Canadian, eh!

20 09 2010

Seid gegrüßt aus dem fernen Canada. Wie viele von euch wissen bin ich noch in Toronto, zumindest in einem Ort in der Nähe von Toronto, namens Saint Catharine.
Es ist ein wunderschönes Örtchen. Es sieht ihr genauso aus, wie in den amerikanischen Filmen. Kleine Häuser, die perfekten Rasen und die langen Straßen. Es ist erstaunlich ruhig jeden Tag. Man merkt gar nicht, dass man Nachbarn hat.
Interessant ist auch, dass die Müllabfuhr keine hässlichen Autos sind, sondern richtige Trucks, funnyJ  Auch der Postbote läuft alles ab, und hat keinerlei Verkehrsmittel, wie Roller oder Fahrrad. Er hat die Taschen mit der Post am Körper und trägt sie unter seinen Armen. Dadurch sieht er sehr sportlich aus J
Alles in allem sind die Leute ihr unglaublich freundlich, sowie meine liebe Gastfamilie, mit der ich über weite Ecken verwandt bin. Sie sind super lieb!
Die Menschen hier sind sehr erstaunt, wenn ich ihnen sage, dass ich ins Indian Reservation gehe, aber auch interessiert. Und am witzigsten ist, immer wenn die Menschen mich fragen ; in welches Reservat ich gehe und ich ihnen sage “Attawapiskat” runzelt sich die Stirn und fragen wo das genau ist J
Ich merke auch die verschiedenen Meinungen  der Menschen hier gegenüber den Indianern. Viele sagen, dass die Indianer Alkoholprobleme haben, unglücklich sind und das viele Jugendliche Selbstmord begehen, weil sie keine Zukunft sehen. Natürlich wusste ich das schon, dennoch an Ort und Stelle das zu hören, hatte einen stärkeren Effekt.
Das trifft einen dann schon, wenn man weiß, dass man an solch einem Ort für mehrere Monate bleibt.
Auch die Meinungen sind verschieden über die Indianer, viele finden das sehr interessant und wirken interessiert und wollen auch mehr Details wissen. Aber eine Nachbarin, die auch Deutsche ist bzw. aus Deutschland stammt, hatte sich nicht sehr glücklich über sie geäußert.
Sie meinte die Indianer seien keine einfachen Menschen, dass man sehr schlecht an sie heran kommt, denn sie hat mit ihrem Mann drei Jahre im Reservat gelebt. Er war Lehrer und sie sagte, die Jugendlichen im Reservat wollte nicht lernen und weigerten sich auch. Aber wenn man den Jugendlichen keine Perspektiven bieten kann, wie sollen sie denn auch begreifen zu lernen?
Die Frau meinte auch, dass manche Amerikaner bzw. Kanadier glücklich wären, das Geld vom Staat zu bekommen, das die Indianer bekommen. Da dachte ich mir auch, “Entschuldigung?? Die Menschen wurden auch auf’s Schlimmste behandelt. Wurden vertrieben und leben auf ärmste Verhältnissen. Sie können nicht mehr so leben, wie sie es früher getan haben und werden immer noch von den “Weißen” ausgegrenzt. Sehr viele Männer sehen ihren platz nicht mehr in der Gesellschaft, denn sie können nicht mehr Jagen, um ihre Familie zu ernähren. Ihre Unglücklichkeit zeigen sie dann, indem sie Alkohol trinken.
Doch die Nachbarin erzählte dann auch, dass nicht alle Indianer etwas von dem Geld bekommen, sondern von der indianischen Regierung im Reservat in die Taschen gesteckt werden.
Das wunderte mich gar sehr, denn die Indianer werden doch als ein Volk angesehen, dass zusammen hält und auf eine Gemeinschaft  fixiert ist. Kann das sein, dass auch dieses Volk korrupt geworden ist gegenüber ihrem eigenen Stamm? Und wem haben sie es zu verdanken?
Oder habe ich da was falsch verstanden ?
Sobald ich im Reservat bin muss ich meine dortige “Gastmutter” fragen, ob das stimmt, denn sie ist eine von den “Elders”-Ältesten und ist hoch angesehen. Sie weiß womöglich mehr.
Bis dahin.. Macht’s gut !